#Presseartikel

Erstellt am 19.5.2020 I Von investify

Robo Advisor Markt 2020 – Herausforderungen im Zuge der Corona-Krise

Der  Technologie- und Regulatorik-Provider sowie Robo Advisor investify hat es sich zur Aufgabe gemacht, Banken und Versicherungen bei der Digitalisierung und Kundenbindung zu unterstützen. Im Fokus stehen dabei Lösungen zur Digitalisierung der Geldanlage im Wertpapierbereich. Geschäftsführer Dr. Harald Brock erläutert im Rahmen einer großen Interview-Serie mit verschiedenen Robo Advisors, welche Facetten das Geschäftsmodell von investify umfasst und welche Rolle das Eingehen von Partnerschaften hierbei spielt. Zudem teilt er seinen Blick auf Chancen und Risiken durch die Corona-Krise.

Hallo Herr Brock, was genau macht investify in maximal zwei Sätzen?

Zunächst zu unserem Fokus: investify TECH (B2B) wurde als Technologie- und Regulatorik-Provider geschaffen, um die aktuellen Herausforderungen im Investmentgeschäft mit einer Plattform für Banken, Versicherungen und Vermögensverwalter zu lösen. Zudem wird unter der Marke investify (B2C) eine digitale Vermögensverwaltung bzw. ein Robo Advisor im Direktkundengeschäft angeboten.

Welche Anlagephilosophie hat investify?

Hier differenzieren wir zwischen unserem B2B- und unserem B2C-Angebot. Grundsätzlich bietet investify das Asset Management im B2B-Geschäft im White Label an – so wie auch alle übrigen Leistungen der investify iP3-Plattform. Unsere Portfoliomanager stimmen gemeinsam mit dem jeweiligen B2B-Partner ab, wie die Anlagephilosophie individuell ausgestaltet werden soll. Dies kann sehr heterogen sein. Eine Privatbank, die ein Retail-Angebot besitzt, hat bspw. andere Vorstellungen und Anforderungen als ein institutioneller Anleger – wie man sich leicht vorstellen kann. Einige unserer Kunden haben zudem sehr hohe Anforderungen an die Nachhaltigkeit der Portfolien, was wir natürlich ebenfalls im Asset Management bzw. in der Umsetzung der Portfolien berücksichtigen. Ein sehr schönes Angebot haben wir bspw. in Kooperation mit der Pax-Bank aufgebaut: „Ethische Geldanlage,flexibel und digital – das ist pax-investify“.

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Ein Alleinstellungsmerkmal, das die Philosophie von investify deutlich macht, ist sicherlich die Anwendung des Mass-Customization-Ansatzes. Was steckt dahinter? Immer weniger Endkunden wollen Leistungen von der Stange. Dies gilt für ihre Turnschuhe ebenso wie für Finanzdienstleistungen bzw. ihr Portfolio. Dieses Kundenbedürfnis greift investify konsequent auf und schafft für B2B-Partner, aber auch im B2C-Geschäft, personalisierte Geldanlagen. Hierdurch erzielen wir beispielsweise generell eine höhere Kundenzufriedenheit, ganz konkret mehr Kundeninteraktion und schließlich auch eine höhere Weiterempfehlungsbereitschaft. Die notwendigen Prozesse machen wir für unsere Partner und Kunden durch unsere Fitting-Algorithmen sehr einfach, wie z. B. die Auswahl von Themeninvestments im Rahmen eines Core-Satellite-Ansatzes. Hier sind wir führend im Markt. Bei unserem eigenen B2C-Angebot stehen unseren Kunden bspw. mehr als 20 Themeninvestments zur Verfügung. Häufig gewählte Themen sind Cyber Security, Alternde Bevölkerung, Gold und Robotik. Wir sind jeweils in kürzester Zeit imstande, neue Themeninvestments aufzulegen, und können so schneller als der Wettbewerb auf lukrative Trends reagieren. So haben wir beispielsweise in der Krise die beiden konträren Varianten (Still) Stay@Home und Oldschool Behaviour (Corona Recovery Basket) aufgelegt.

An welche Zielgruppen richtet sich investify mit seinem Produktangebot und wie viele AuM und Kunden haben Sie im jeweiligen Segment?

Im B2B-Geschäft richtet sich investify an Financials (Banken, Versicherungen, Vermögensverwalter, Broker usw.) und Non-Financials (z. B. Medienhäuser, Vergleichsportale und Technologieunternehmen). In beiden Bereichen konnte investify in den letzten Monaten neue Kooperationsverträge mit namhaften Partnern schließen. Durch den Plattformansatz können wir sowohl kleine als auch große B2B-Partner mit einem hervorragenden Produkt und zu attraktiven Konditionen bedienen. D. h. in der Zusammenfassung, dass wir als Digitalisierungs- und Regulatorik-Partner für eine breite Zielgruppe erste Wahl sind.
Im B2C-Geschäft eignet sich unsere digitale Vermögensverwaltung für sehr vermögende Kunden ebenso wie für Retail-Kunden. Unsere Fitting-Algorithmen sorgen zudem dafür, dass wir auch jenen Kunden eine einzigartige Individualität bieten können, die bspw. nur wenige Kenntnisse und Erfahrungen mit Finanzdienstleistungen mitbringen.
Die Digitalisierung und unsere Plattformstrategie führen also für uns dazu, dass wir nicht sehr starr in bestimmten Kundengruppen denken müssen.

Was kostet den Privatkunden mit einem Anlagevolumen von 10.000 EUR der Service von investify und wie konkurrenzfähig sind Sie damit ggü. anderen Robo Advisors sowie klassischen Asset Managern?

Mein Eindruck ist, dass im Markt derzeit ein Fehler gemacht wird – auch bei diversen Vergleichstests. Zu häufig wird nur auf den Preis abgestellt. Was bringt einem Kunden aber das günstigste Angebot, wenn die Performance schlecht ist? Wir stellen hingegen die Qualität in den Vordergrund und berechnen unseren B2C-Kunden für diese Qualität einen fairen Preis von derzeit 1% (ab 100.000 € Anlagebetrag 0,8%). Im Echtgeldtest (brokervergleich.de) der letzten Monate und Jahre kann man sehen, dass wir dort eine ausgezeichnete Performance nach Kosten haben – nichts anderes zählt für uns. Nicht der Preis, sondern das Verhältnis von Preis und Leistung ist entscheidend.

Im B2B-Geschäft bestimmt jeder unserer Partner im Übrigen eigenständig, welchen Preis er für die gemeinsame Dienstleistung in Rechnung stellt.

Wie sehen Ihre Anlagestrategie und das Risikomanagement aus?

investify verfolgt im eigenen B2C-Geschäft einen strategisch langfristigen Investmentansatz. Dieser geht davon aus, dass sich kurzfristig starke Kursschwankungen mittel- bis langfristig erholen werden. Auch mit Blick auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie gehen wir grundsätzlich davon aus, dass sich die Märkte ähnlich verhalten wie in der Vergangenheit und schließlich in die Gewinnzone zurückkehren.

Zur Umsetzung der Allokation unserer Basisanlagen greifen wir auf die Kompetenz von BlackRock Aladdin zurück und setzen in unseren Basisanlagen auf Multi-Asset-Portfolios.

Die investify-Basisanlage ist ein in sich optimiertes Portfolio. Das quantitative Screening bewertet Risikopositionen und Veränderungen der weltweiten wirtschaftlichen Situation laufend.

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Anbietern für Robo Advisory, B2B sowie B2C. Wie differenziert sich investify, d. h., was genau ist Ihr USP?

Zunächst zu unserem B2B-Angebot: Wir sind nicht lediglich ein Anbieter von Robo-Software. Dies wäre zu kurz gesprungen für den Markt. Vielmehr stellen wir unseren Kunden eine White-Label-Plattform zur Verfügung, die digital und hybrid, also auch in Kombination mit persönlicher Beratung, einsetzbar ist. Zudem stellen wir auf Basis unserer Plattform unterschiedliche Investmentlösungen bereit. Hierzu zählen digitale Vermögensverwaltungen, Robo-Advisory-Lösungen sowie Anlageberatungs- und Execution-Only-Strecken. Durch dieses umfassende Spektrum kann sich investify deutlich vom Wettbewerb abgrenzen. Hinzu kommt, dass wir Regulatorik-Provider sind. D.h., unsere Kunden können regulatorische Pflichten des Investmentgeschäfts an uns auslagern – wir übernehmen diese Last, damit unsere Partner sich auf das Wesentliche, nämlich den Kunden, konzentrieren können.

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir individualisierbare Produkte anbieten. Dies gilt für das B2B- und das B2C-Geschäft gleichermaßen. Unser bereits dargestelltes Themenspektrum ist bspw. einzigartig im Markt.

Welche (Marketing-) Strategie nutzen Sie, um neue Kunden zu gewinnen? Welche Rolle spielen Partnerschaften?

Partnerschaften haben in unserem Geschäftsmodell höchste Priorität. Unser Ziel ist es, weitere B2B-Partner aus unterschiedlichen Branchen und Bereichen zu gewinnen (Banken, Versicherungen, Vermögensverwalter, Medien usw.). Sie alle können mit ihren unterschiedlichen Charakteristika von den Netzwerk- und Skaleneffekten unserer Plattform profitieren, jeder auf seine Weise.

In welchem Geschäftsfeld sehen Sie das größte Wachstumspotenzial? Auf welche Bereiche möchten Sie sich entsprechend in Zukunft fokussieren bzw. um welche Bereiche möchten Sie Ihr Geschäft ggf. erweitern?

Unser Wachstumspfad liegt im B2B-Plattformgeschäft. Auf Basis unseres Geschäftsmodells ist für uns ein AuM-Wachstum genauso wichtig, wie es ein Wachstum bei den Lizenzerträgen (SaaS) ist. Gemeinsam mit unseren Kunden gestalten wir die Plattformlösung so aus, dass sie zu den jeweiligen Stärken des B2B-Partners passt. D. h., bei dem einem Partner kann das Wachstumspotenzial auf Basis eines Retail-Cases bei den Sparverträgen liegen. Bei einem anderen, z. B. aus dem Affluent- bzw. Private-Banking-Segment, kann der Wachstumspfad in der digitalisierten Vermögensverwaltung liegen. Wir sehen, dass wir als Unternehmen für unsere Partner durch eine starke modulare Plattform, die im White Label angeboten wird, in jeweils ganz individuellem Zuschnitt Wachstum generieren. Immer wichtiger wird dabei die Regulatorik, wo wir als Outsourcing-Dienstleister fungieren und beim Partner, der sich auf seine Kernkompetenzen fokussieren kann, freiwerdende Potenziale heben.

Wie hat sich die Corona-Krise bisher auf Ihr Geschäft ausgewirkt? Was sind aktuell die größten Herausforderungen für Sie?

Wir waren zum Glück vor der Krise vertrieblich sehr erfolgreich – hierdurch sind wir bis zum Jahresende sehr gut ausgelastet und können auf Kurzarbeit verzichten. Wir glauben, dass die Krise unser Geschäftsmodell bestätigt: Digitalisierung und Outsourcing von regulatorischen Tätigkeiten werden immer wichtiger in der Finanzbranche – auch wegen der Folgen der Corona-Krise.

Wie hat sich die Corona-Krise auf die Rendite Ihrer Kunden ausgewirkt? Wie sehen Sie sich damit im Vergleich zu Ihren Wettbewerbern?

Auch unsere Kundenportfolios waren im Februar und März von den starken Verwerfungen an den Finanzmärkten betroffen und konnten vor diesen nicht gänzlich geschützt werden. Im Monat April haben sie allerdings von den wieder steigenden Aktienmärkten profitiert und deutlich zugelegt. Generell sind wir und unsere Kunden besser als die allermeisten Wettbewerber durch die Krise gekommen – der Fokus auf Qualität hat sich buchstäblich bezahlt gemacht.

Welche mittel- bis langfristigen Risiken erwarten Sie durch die Corona-Pandemie für sich und den Robo Advisory Markt allgemein?

Wir und unsere B2B-Partner hoffen, dass die Krise das ohnehin schwache Wertpapiergeschäft in Deutschland nicht dauerhaft lähmt.

Welche Chancen könnten durch die Krise entstehen?

In der Krise ist ein noch stärkeres Interesse an digitalen und smarten Produkten entstanden. Hieraus entstehen weitere Chancen für Anbieter von digitalen Produkten – die wir nutzen wollen.

Das Interview mit Dr. Harald Brock ist zuerst bei Bankinghub erschienen. Hier wurden verschiedene Robo Advice Anbieter zur aktuellen Lage befragt. Zur Umfrage und der Interview-Serie gelangen Sie hier.