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Dr. Stötzels Kolumne #10: 2021 ... noch nie war es so einfach wie diesmal!

Erstellt am: 19. Januar 2021 | Von: Dr. Martin Stötzel


Der Erste-Woche-Indikator, nachdem die Tendenz des Börsenjahrs in der ersten Handelswoche gelegt wird, kann als positiv abgehakt werden. Die Meinung der Analystengilde lässt an Eindeutigkeit ebenfalls nichts vermissen. Fazit: Die Covid-Krise kann gemeistert werden und die Wirtschaft wird sich im Verlauf des Jahres erholen, wenn auch geographisch durchaus Unterschiede auftreten.

Die Regierungen und Notenbanken der wichtigsten Wirtschaftsnationen demonstrieren in nie dagewesener Übereinstimmung ihren unbedingten Willen, die Wirtschaft mit allen verfügbaren Mitteln zu unterstützen. Und die aktuellen Wirtschaftsindikatoren zeichnen in ihrer Gesamtheit das Bild einer wirtschaftlichen Aktivität, die sich auch durch die Verschärfungen der Pandemie nicht in ihrem Aufwärtstrend beirren lässt. Die schwierigste Entscheidung der Investoren wird nun sein, ob sie an den Stars des letzten Börsenaufschwungs festhalten, oder den Schwenk zu den Titeln vollziehen, die bisher deutlicher unter der Pandemie gelitten haben und in den kommenden 12 Monaten vom erwarteten Wirtschaftsaufschwung profitieren werden.

Soweit, so erfreulich. Und wichtige Indikatoren stützen diese Sicht. Etwa die globalen Einkaufsmanagerindizes. In vielen europäischen Ländern hat der Index bereits in den Sommermonaten die Schwelle von 50 überschritten, die die wirtschaftliche Erholung von der Kontraktion trennt. Die neuesten Umfrageergebnisse des Londoner Datendienstleisters IHS Markit für den Dezember unterstreichen die verbesserten Geschäftsaussichten in der verarbeitenden Industrie sogar noch. Die erneuten Eindämmungsmaßnahmen in Europa beeinträchtigen die Aktivität deutlich weniger als noch im Frühjahr. Gerade die Nachfrage aus Asien sorgt für Zuversicht in der Industrie. Der deutsche Einkaufsmanagerindex erreichte im Dezember den höchsten Wert seit Februar 2018. Nicht so rosig sieht es jedoch im Dienstleistungsbereich aus, der unter den Mobilitätsbeschränkungen erheblich leidet.

Nun sind diese Indizes Erwartungswerte und noch keine harten Fakten, so dass Raum für Überraschungen bleibt. Und leider irrt der Mainstream recht häufig, so dass auch in diesem Jahr sicherlich einiges anders laufen wird, als prognostiziert. Sorgen bereitet etwa der Euphorielevel der Anleger. Da werden unweigerlich Erinnerungen an die Jahre 1998 und ´99 wach. IPO´s, bei denen Unternehmen bereits zum Börsengang Bewertungen aufweisen, die mit „sportlich“ nur unzulänglich beschrieben sind. Was die Anleger nicht daran hindert bereits am ersten Handelstag auch 50, 60 oder 100% mehr für die Anteilsscheine zu bezahlen. Aktienkurse, von Unternehmen aus dem High-Tech oder alternativen Energiebereich, die sich innerhalb weniger Wochen verdreifachen und Hypes in Börsenforen und sozialen Medien, bei denen sich die Teilnehmer bei der Erhöhung der Kursziele mit Feuereifer überbieten.

Ja, das hat man alles schon einmal gesehen und es darf an dieser Stelle nur an den bekanntermaßen gefährlichsten Börsenspruch erinnert werden: This Time it‘s different! Ein Stolperstein könnte auch die politische Auseinandersetzung zwischen China und der USA sein. Hier geht der neue US-Präsident mit großen Vorschusslorbeeren ins Rennen. Doch die zugrundeliegenden Differenzen zwischen den beiden Wirtschaftsmächten werden sich unabhängig von den handelnden Personen nicht einfach verflüchtigen. Die Androhung der US-Börsenaufsicht eine Reihe von chinesischen Unternehmen nicht mehr an der Wall Street handeln zu lassen, lässt erahnen, aus welcher Richtung die Störfeuer kommen können. Und so ganz ad acta legen, darf man die Covid-19-Krise nun auch nicht. Sollte bei den weltweiten anlaufenden Impfkampagnen Störungen oder Verzögerungen auftreten, und damit muss wohl immer gerechnet werden, könnten die Marktteilnehmer durchaus nervös reagieren. Denn die Mehrheit der Anleger rechnet fest mit einem deutlichen Anziehen der breiten Wirtschaft spätestens im dritten Quartal dieses Jahres.

Bei allem Optimismus sollten die Investoren deswegen schon jetzt ihre Depots auf die Resistenz bei Rückschlägen an den Märkten hin untersuchen und einen Plan für unruhige Zeiten bei der Hand haben.

Zum Autor

Dr. Martin Stötzel ist Gründer und Managing Partner bei Rhein Asset Management S.A. und Verwaltungsrat bei investify. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre und anschließender Promotion ist er seit 1994 als Anlageberater und Vermögensverwalter tätig und unterstützt seine Mandaten bei der individuellen Vermögensplanung.
In seinen monatlichen Kolumnen beleuchtet er aktuelle Themen, die Märkte und Anleger bewegen.

Bitte beachten Sie, dass die Kolumne die persönliche Meinung des Autoren, nicht aber unbedingt die Meinung von investify widerspiegelt.

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