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Dr. Stötzels Kolumne #12: Inflation – was kommt da?

Erstellt am: 16. März 2021 | Von: Dr. Martin Stötzel


Die Märkte sind nervös. Viele Ökonomen hatten vorgewarnt: „Zu Jahresbeginn werden die Inflationsraten temporär steigen.“ Doch das böse „I..“ -wort macht die Investoren unruhig. Die Zinsen in Europa und in den USA beenden ihren Abwärtstrend und klettern aufwärts. Die Prognosen werden Woche für Woche dramatischer. Was ist dran, an der aufkommenden Furcht vor steigenden Preisen und den Konsequenzen für die Aktien- und Rentenmärkte? Drei Prozent prognostizieren der Wirtschaftsweise Volker Wieland und Bundesbank-Präsident Jens Weidmann noch für dieses Jahr. Einige Bankanalysten sehen noch viel höhere Teuerungsraten von fünf oder gar zehn Prozent mittelfristig auf uns zukommen. Aktuell sind es 1,3 Prozent.

Schaut man auf die Begründung für ein deutliches Anziehen der Inflationsrate, so wird man zunächst bei spezifisch deutschen Themen fündig, nämlich bei der Einführung der CO2 – Abgabe oder dem Auslaufen der Mehrwertsteuer-Senkung. Hierbei handelt es sich jedoch lediglich um kurzfristige Basiseffekte, die über das Jahr hinweg verschwinden werden.

Doch wie steht es mit den globalen Effekten? Die Charterraten für Frachtcontainer haben sich in den vergangenen Monaten vervierfacht, der Ölpreis steht so hoch wie Anfang 2020 und die Preise anderer Industrierohstoffe sind ebenfalls auf Höhenflug. Ordnet man die Bewegung jedoch langfristig ein, so befinden sich die Preisniveaus immer noch nahe dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre, in denen eine hohe Inflation nun wirklich nicht das Thema war. Und dass die Verbraucher nun ihre – gerade in den USA nicht geringen – Unterstützungsleistungen des Staates ohne Halten in den Konsum pumpen, ist nicht wirklich zu erwarten. Schließlich fehlt den privaten Haushalten ja ihr reguläres Einkommen, was Konsumexzesse eher unwahrscheinlich erscheinen lässt. Dann ist da noch der vielfach zitierte sich abzeichnende Arbeitnehmermangel in den bevölkerungsreichen asiatischen Staaten. Dies dürfte eher ein langfristiger Effekt sein, der noch von einer Reihe anderen Effekte überlagert werden könnte, bevor es aus diesem Grunde zu deutlicheren Lohnerhöhungen kommen wird. Zunächst einmal sind die Arbeitslosenquoten hoch und bis die Arbeitsmärkte auch nur in etwa das Vor-Pandemieniveau erreicht haben, wird noch viel Zeit vergehen.

Dennoch warnen einige bekannte Akteure an den Rentenmärkten aufgrund des jüngsten Zinsanstieges in den USA und in geringerem Umfang in Europa bereits vor einer Zeitenwende am Rentenmarkt. Doch die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Investoren bereits in den nächsten Monaten mit deutlicheren Zinsanstiegen rechnen müssen, ist eher gering. Die wichtigen Notenbanken haben zweifelsfrei deutlich gemacht, dass sie einen gemäßigten Preisniveauanstieg akzeptieren werden. Schließlich dienen die gigantischen Anleiheankaufprogramme ja offiziell genau diesem Zweck. Die Banker werden also ihre expansive Politik auch bei einer steigenden Teuerungsrate beibehalten. Denn die negativen Folgen einer deflatorischen Entwicklung wiegen im Koordinatenkreuz der Notenbanker und Politiker deutlich schwerer als ein kurzfristiges Überschießen der Inflation.

Das bedeutet nun nicht, dass die Inflation auf immer abgeschafft wäre. Zu irgendeinem Zeitpunkt in der Zukunft wird die Notenbankpolitik der vergangenen Jahre auch wieder zu Inflation führen. Noch ist dieser Zeitpunkt jedoch nicht gekommen.

Zum Autor

Dr. Martin Stötzel ist Gründer und Managing Partner bei Rhein Asset Management S.A. und Verwaltungsrat bei investify. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre und anschließender Promotion ist er seit 1994 als Anlageberater und Vermögensverwalter tätig und unterstützt seine Mandaten bei der individuellen Vermögensplanung.
In seinen monatlichen Kolumnen beleuchtet er aktuelle Themen, die Märkte und Anleger bewegen.

Bitte beachten Sie, dass die Kolumne die persönliche Meinung des Autoren, nicht aber unbedingt die Meinung von investify widerspiegelt.

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