Dr. Stötzels Kolumne #5: Gold ... 2.000 und steigend!

Erstellt am: 10. August 2020 | Von: Dr. Martin Stötzel


Rekordstände überall. Der Index der Technologiewerte, Nasdaq, erreichte in dieser Woche ein sogenanntes All-Time-High (ATH) und natürlich setzten auch die wichtigsten Werte des Index neue Höchstmarken. Apple, Amazon, Facebook und Microsoft explodierten zum Teil nach Veröffentlichung von Quartalsergebnissen oder aufgrund von positiven Geschäftsaussichten.

Und dann war da noch der Goldpreis. Fast exakt neun Jahre nach dem letzten Höchststand im August 2011 kletterte der Preis des Edelmetalls erstmals über die 2.000 US-Dollar Marke. Damit legte der Goldpreis in diesem Jahr stolze 32 Prozent zu. Allerdings in US-Dollar. Doch bei diesem Ergebnis dürfte der Währungsverlust von rund 5 Prozent für den in Euro denkenden Investor verschmerzbar sein. Zumal der Anstieg des Goldpreises nach dem Sprung über die magische Grenze keineswegs an Dynamik verlor. Mit dieser Performance gehört Gold zu einer kleinen Gruppe von Anlagen, die in diesem Jahr um mehr als 20 Prozent zulegen konnten.

Natürlich spielt die Corona-Krise bei dieser außergewöhnlichen Entwicklung eine Rolle. Genauso wie die historisch einmalige Reaktion der Notenbanken und Regierungen auf eben diese Krise. Billionenschwere Interventionen und Liquiditätsspritzen in das Finanzsystem treffen beim Edelmetall Gold auf einen relativ kleinen und nicht beliebig ausdehnbaren Markt.

Während die physische Nachfrage nach Gold und insbesondere die Schmucknachfrage im ersten Halbjahr 2020 drastisch zurückging, brach die Nachfrage der Finanzinvestoren alle Rekorde. Nach Berechnungen des World Gold Council kauften Investoren weltweit im ersten Halbjahr für rund 40 Milliarden US-Dollar Anteile an börsennotierten Goldfonds (Gold-ETF) und im Juli kamen erneut Käufe im Wert von knapp 7,5 Milliarden US-Dollar hinzu. Und im gesamten zweiten Quartal floss mehr als drei Mal so viel Volumen in Gold-ETF als im selben Zeitraum des vergangenen Jahres. Das Wachstum kam mehrheitlich aus den USA und Europa. Aktuell sind 3.351 Tonnen Gold in Gold-ETF hinterlegt, ein neuer Rekord, der aber schon bald wieder gebrochen werden dürfte. Doch trotz dieser beeindruckenden Summen liegt der Goldanteil in Bezug auf die weltweiten Anlagen aller Investoren weiterhin nur bei knapp 3 Prozent. Damit ist noch viel Platz bis hin zu den Größenordnungen in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als Gold in den weltweiten Depots mit über 6 Prozent vertreten war.

Hilfreich für eine positive Goldmeinung ist sicher die Tatsache, dass die Renditen für US-Staatsanleihen stets neue Tiefststände erreichen. Eine fehlende Verzinsung für den weltweit wichtigsten „sicheren Hafen“ ist ein gewichtiges Argument für eine Anlage in Gold, das ja selbst keine laufenden Erträge generiert. Die Bank of America nimmt diese Konstellation zum Anlass die Prognose für den Goldpreis auf 3.000 US-Dollar für das Jahr 2021 anzuheben. Möglicherweise wird der Weg dahin nicht immer ganz eben verlaufen, aber eine Überraschung wäre es nicht, wenn Gold in dem aktuellen Umfeld ebenfalls weitere All-Time-Highs erzielen würde.

Zum Autor

Dr. Martin Stötzel ist Gründer und Managing Partner bei Rhein Asset Management S.A. und Verwaltungsrat bei investify. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre und anschließender Promotion ist er seit 1994 als Anlageberater und Vermögensverwalter tätig und unterstützt seine Mandaten bei der individuellen Vermögensplanung.
In seinen monatlichen Kolumnen beleuchtet er aktuelle Themen, die Märkte und Anleger bewegen.

Bitte beachten Sie, dass die Kolumne die persönliche Meinung des Autoren, nicht aber unbedingt die Meinung von investify widerspiegelt.