Jacob Hetzel

5,5 Millionen Deutsche sind in Produktionsunternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten tätig – so viele wie noch nie. Damit ist die Branche „Verarbeitendes Gewerbe“ erneut nicht nur die personell stärkste, sondern mit einem Anstieg um 1,8 Prozent gegenüber Vorjahr auch diejenige, die zum sechsten Mal in Folge einen neuen Höchststand bei der Zahl der Beschäftigten verkünden durfte. 97.000 neue Mitarbeiter begrüßte man von August 2016 bis zum August 2017. (Quelle: Statistisches Bundesamt / Destatis).

Mehr Arbeit

Nun lesen wir allerorts, die Werkbank der Welt befinde sich in Asien. Das mag quantitativ richtig sein, bedeutet jedoch nicht, dass die verarbeitenden Unternehmen hierzulande schrumpfen. Die einzigartige Mischung aus Fachwissen, Erfahrung und Erfindergeist sorgt offenbar weiterhin für Wachstum. Besonders hervorzuheben sind die Bereiche Herstellung von elektrischen Ausrüstungen und Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln: Hier stieg die Beschäftigtenzahl laut Destatis mit 3,7 Prozent am stärksten an. Zusätzlich leisteten die Arbeitnehmer bei gleicher Zahl der Arbeitstage im Sommermonat August 2017 2,8 Prozent mehr Arbeitsstunden als im Juli 2016. Die Entgelte stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,6 Prozent.

Mehr Aufträge

Und dabei bleibt es wahrscheinlich nicht, denn ebenfalls im August 2017 meldeten die Unternehmen einen Auftragsanstieg von 3,6 Prozent gegenüber Juli 2017 – und das preis-, saison- und arbeitstäglich bereinigt. Vor allem aus dem Ausland kommen die Bestellungen: Das Statistische Bundesamt meldete einen Zuwachs von 4,3 Prozent und wies daraufhin, dass sich an den Auftragseingängen die Weiterentwicklung der Konjunktur ablesen ließe.

Auftragseingang 2017

Besonders viele Neuaufträge kamen im August 2017 übrigens aus dem Nicht-EU-Ausland. Dass sich die Auftragsbücher – trotz starkem Euro und trotz einiger politischer Krisen weltweit – füllen, meldeten in den letzten Wochen auch einige Unternehmer etwa aus dem Maschinen- und Anlagenbau. Und wer aufgrund der schlechten Nachrichten aus der Presse glaubt, die Automobilindustrie rutscht nur noch von Skandal zu Skandal, dem sei gesagt: Auch die Autobauer verstärkten ihre Mannschaften um 1,2 Prozent mehr Beschäftige. Ein Zeichen dafür, dass das Know-how der großen Marken sowie ihrer zahlreichen Zulieferer gefragt ist.

Mehr Innovationen

Dass die Unternehmer hierzulande Pioniergeist besitzen, haben sie in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten immer wieder bewiesen. Seit einigen Jahren aber stehen sie vor einer riesigen, alles umwälzenden Herausforderung: Der digitalen Transformation. Prozesse müssen nicht nur optimiert, sondern bisweilen komplett aufgelöst und neu aufgesetzt werden. Maschinen und Geräte weiter verbunden und automatisiert werden. Und einfache und wiederkehrende Tätigkeiten werden immer mehr von Robotern ausgeführt, während das Personal unablässig geschult und spezialisiert werden muss, sodass weder der einzelne Mitarbeiter selbst noch ganze Unternehmen und Branchen im weltweiten Wettbewerb abgehängt werden.

Dazu kommt ein enorm hoher Innovationsdruck. „Deutschlands wirtschaftlicher Erfolg basiert wesentlich auf der Stärke seines Wissenschafts- und Innovationssystems“, schrieben kürzlich 22 Organisationen aus Industrie und Wissenschaft anlässlich einer gemeinsamen Erklärung an die Bundesregierung. 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukt sollen ihrer Meinung nach mindestens in Maßnahmen fließen, die der Forschung und Entwicklung dienen. Zentral sind eine Verzahnung von Forschung und Industrie, besserer Wissenstransfer und die Weiterbildung von Fachpersonal. Die Unterzeichner – darunter die Verbände VDMA und VDA, aber auch DAAD, Helmholtz- und Fraunhofer-Institute – fordern, dass die neue Bundesregierung ihre Wünsche weit oben auf der Prioritätenliste ansetzt und unmittelbar mit Beginn der Legislaturperiode angeht.

Hilfreiche Tugenden

Sowohl Industrie als auch Wissenschaft haben ganz offenbar verinnerlicht, dass in den nächsten Jahren nicht nur Tradition und Fleiß, sondern vor allem unternehmerischer Mut, die Bereitschaft zu Visionen und Experimenten sowie ein Quäntchen Disziplin gefragt sind. Einige Leuchtturmprojekte – etwa im Bereich E-Mobility – gibt es bereits. Und auch der sogenannte Innovationsindikator, den das Fraunhofer ISI zusammen mit dem ZEW für acatech und den BDI berechnet, bescheinigt eine hoffnungsvolle Position: Im Jahr 2017 liegt Deutschland auf dem vierten Platz unter insgesamt 35 Volkswirtschaften. Darauf lässt sich aufbauen.

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